Interview mit Core-Entwickler "Riker" (Lior Yaffe)


Marc de Mesel hat sich mit Riker hingesetzt und ihn zum aktuellen Stand der Nxt-Entwicklung interviewt.
Hier geht's zum Youtube-Video mit englischem Originalton.

Deutsche Übersetzung des Interviews (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Marc: "Ich sitze hier mit Lior, bekannt unter seinem Benutzernamen "Riker", der gerade eine Präsentation über Nxt gehalten hat. Er ist ein Core-Entwickler, der sehr intensiv mit Jean-Luc zusammen arbeitet. Als Investor möchte ich ihm ein paar Fragen über Nxt stellen, um wieder etwas Zuversicht für meine Investition zu bekommen. Nxt hat ja einiges an Wert eingebüßt, da kann man schon ein paar aufmunternde Worte gebrauchen! Lior, wie großartig ist denn Nxt?"
Riker: "Ich habe gerade eine Präsentation gehalten, wie man die beste Blockchain (Blockkette) auswählt, um seine nächste Anwendung zu schreiben. Zusammen mit den Teilnehmern sind wir zum Schluss gekommen, dass Nxt wahrscheinlich die beste Lösung für viele Anwendungen ist!".

Marc: "Im Vergleich zu Ethereum, das einen starken Zuwachs an Marktkapitalisierung erreicht hat, wo steht da Nxt?"
Riker: "Ethereum ist eine interessante Technologie, die großes Potential hat. Ich glaube aber nicht, dass es ein Nullsummen-Spiel ist und eine Blockchain das Kapital von einer anderen Blockchain abzieht. Ethereum hat sich noch zu beweisen, was Praxistauglichkeit, Skalierbarkeit und Speichereffizienz der Blockchain angeht. Das sind Punkte, an denen die Nxt-Entwickler gerade aktiv arbeiten bzw. eine Lösung entwickeln.
Was Nxt betrifft: nimm niemals Investment-Tipps von einem Java-Entwickler an! Crypto-Währungen sind alle hochspekulativ, wenn nicht sogar reine Lotterie. Auf jeden Fall immer die Grundlagen prüfen: ist die Technik gut? Ist die Gemeinschaft gut? Sind die Entwickler hartnäckig und kann man ihnen vertrauen? Nur auf den Tagespreis zu schauen macht keinen Sinn! Wenn man nicht gerade morgen verkaufen muss. Und nie Geld investieren, das man zum Leben braucht!"

Marc: "Ich habe meine Zukunft darin investiert. Aber lass uns noch etwas über Jean-Luc, den Chef-Entwickler sprechen!"
Riker: "Ich hatte bisher noch keinen persönlichen Kontakt mit Jean-Luc. Die Kommunikation mit ihm findet hauptsächlich über Email statt. Jean-Luc ist ein sehr vertrauenswürdiger Mensch und Nxt wäre bestimmt ohne ihn nicht da, wo es jetzt steht. Das meine ich nicht auf die Marktkapitalisierung bezogen, sondern auf die Funktionen und Stabilität des Nxt-Systems!. Definitiv der Mann, der Nxt in den nächsten Jahren voran bringen kann und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit!"

Marc: "Jean-Luc ist ja anonym, das wird seine Gründe haben. Satoshi Nakamoto, der Erfinder von Bitcoin, hat es ja auch vorgezogen, anonym zu bleiben.
Zu Nxt 2.0: Riker, siehst du auch die Notwendigkeit des Splits in fNXT und NXT?"
Riker: "Es ist wichtig für Nxt, dass die Plattform nicht in der Entwicklung stagniert. Nxt wird nicht auf dem aktuellen Stand eingefroren, das wird nicht passieren! Wir werden viel entwickeln und es werden noch viele Änderungen kommen. Ich diskutiere mit Jean-Luc nun bereits seit 6 Monaten über Nxt 2.0 und am Anfang war ich auch skeptisch. Aber Nxt 2.0 löst das Problem der Speichereffizienz der Blockchain, was noch keine andere Crypto-Währung geschafft hat! Dadurch, dass alle Transaktionen, darunter auch Asset-Dividenden und Nachrichten, permanent auf der Blockchain gespeichert werden, bläht sich diese immer weiter auf. Und nachdem man die Dividende erhalten hat oder die Nachricht gelesen hat, sind diese Transaktionen eigentlich überflüssig! Alle Gegenvorschläge, die bisher gemacht wurden, können dieses Problem nicht lösen. Die Kritik, dass ein Verfall der Asset-Preise eintreten würde, finde ich haltlos! Man kann den Preis eines Assets noch nicht mal in 2 Stunden vorhersagen, geschweige denn für einen Zeitraum von einem Jahr! Es ist nicht sinnvoll, eine Design-Entscheidung aufgrund von solchen Spekulationen zu machen. Der Nxt-Preis wird sicher steigen, aber ich kann nicht vorhersagen, wann das sein wird. Und wenn es soweit ist, werden wir nicht wissen, warum er gestiegen ist! Nochmal mein Rat: investiert nicht soviel in Nxt: 1% des Kaptials sind OK, 10% sind schon mutig."

Marc: "Ich habe 35% meines Kapitals in Nxt investiert. Ich glaube nicht, dass das noch jemand gemacht hat.
Wie stehst du denn zur Entwicklung von Nxt im vergangenen Jahr: die Quellcode-Lizenz wurde in GPL geändert und die Nxt-Foundation mit Bas und Dave gegründet, die mit Jean-Luc an einer Kommerzialisierung der Plattform arbeiten, um die Entwicklung zu finanzieren. Ich sehe das ja kritisch, wenn die Entwicklung nicht mehr von der Gemeinschaft, sondern von Unternehmen getragen wird. Es gibt das Sprichwort "wes Brot ich ess, des Lied ich sing"!
Riker: "Die Situation ist kompliziert. Die Entwicklung muss nun mal finanziert werden, dafür fordern Unternehmen eine Gegenleistung. So funktioniert die Welt! Wir haben noch keine bessere Lösung gefunden. Aktuell fehlen in Nxt Entwickler für den Klienten, gute Web-Entwickler sind Mangelware und verlangen ein hohes Gehalt. Durch die fehlende Finanzierung können aber keine weiteren Entwickler bezahlt werden!"
Marc: "Ich habe immer gehofft, man könne Entwickler finden, die selber eine Menge NXT besitzen und die nur für den Werterhalt ihrer Coins arbeiten, aber das ist nicht realistisch."
Riker: "Ja, eine Sache kann ich sagen: wir haben 73 Nxt-Stakeholder - einige davon sind mir bekannt, - die waren immer sehr hilfreich, d.h. sie haben Entwicklung und Marketing durch Spenden angetrieben. Das kommt dadurch, dass sie ein großes Interesse an Nxt haben. Wären es tausende von Stakeholdern gewesen, hätte jeder einzelne von ihnen einen so kleinen NXT-Anteil gehabt, dass sie bestimmt nicht so engagiert gewesen wären!"

Marc: "Das ist großartig zu hören. Leider bin ich erst nach dem großen Preisanstiegs dazu gekommen. Leider habe ich noch keinen Bitcoin-Wal gesehen, der viele NXT gekauft hat, ein paar Transaktionen vielleicht, aber nicht viele. Auf der anderen Seite ist das ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass noch nicht so viel verkauft worden ist. Ich glaube, dass die meisten Stakeholder ihre Coins behalten haben."
Riker: "Zur langfristigen Investition gebe ich folgenden Tipp: jede Bank, jede Versicherung und jede staatliche Behörde, die mit Finanzen zu tun hat, schaut sich gerade die Blockchain-Technologie an! Was gibt es da draußen? Bitcoin ist kaum erweiterbar, bietet sich also dafür nicht an. Bleibt noch Ethereum, die alles mit Smart Contracts machen wollen. Smart Contracts sind aber schwierig zu programmieren, so etwas wie der Asset Exchange wird man damit nicht realisieren können! Nxt ist simpel und läuft stabil, evtl. sind wir deswegen interessant. Und weil es in Java programmiert ist, der "Lingua Franca" der Geschäftswelt. Über 30% der Entwickler von geschäftlichen Anwendungen benutzen Java. Nxt ist nur Java und Javascript. Die anderen Systeme sind in C++, aber niemand will mit C++ arbeiten! Nxt hat gute Chancen, wenn es weiterhin gute und stabile Produkte liefert. Natürlich wird keine Bank ihre Blockchain als Open Source (quelloffen) freigeben, sondern eher lizenzieren."
Marc: "Aber geht der Profit dann nicht nur an die Lizenzgeber? Wo bleibt da die Nxt-Gemeinschaft?"
Riker: "Wir werden einen Weg finden, die Nxt-Gemeinschaft teilhaben zu lassen, sozusagen einen Kanal, um Profit zurück fließen zu lassen. Einen schnellen Erfolg, der sich auf den NXT-Preis auswirken könne, sehe ich aber nicht. Da muss man viel Geduld mitbringen und ein hohes Risiko eingehen. Es könnte 2 Jahre oder länger dauern, der Preis könne sich dann aber auch verhundertfachen!

Marc: "Warum können Unternehmen Nxt in der jetzigen Form nicht einsetzen?"
Riker: [Es folgt ein Beispiel einer Praxis-Anwendung mit MS (Monetary System), das zeigt, dass eine Sidechain (Kindkette) besser dafür geeignet ist]
"Die Währung einer Sidechain kann dazu benutzt werden, um die Transaktionen auf dieser Blockchain zu bezahlen. Da Assets global gelten, wird man diese dann auf allen Sidechains mit ihren Währungen kaufen und verkaufen können, d.h. dann auch mit Bitcoins, Euro und Dollar. Ein Asset-zu-Asset-Tausch wird dann nicht mehr benötigt, weil man dann Sidechain-zu-Asset-Tausch hat! Das ist ein Beispiel, wie Nxt-Sidechains auch andere Probleme lösen können, nicht nur das Problem der Blockchain-Speicherung."
Marc: "Das alles braucht natürlich seine Zeit. Jean-Luc kalkuliert 1 Jahr bis Nxt 2.0 ein und bisher waren seine Schätzungen immer recht genau."

Marc: "Wie siehst Du die Konkurrenz von Nxt, die neben Ethereum noch eine Rolle spielt?"
Riker: "Der Wettbewerb ist riesig, ich möchte aber keine Namen nennen."
Marc: "Wie siehst du BitShares?"
Riker: "BitShares habe ich mir angesehen. Ich verstehe es aber nicht, es ist zu kompliziert! Erwähnenswert ist NEM, denn das ist einzigartig. NEM hat Nxt sehr genau studiert und viele der guten Eigenschaften kopiert und teilweise sogar verbessert. Ich sehe in NEM eine starke Konkurrenz zu Nxt. Coins mit Speicherfunktionen wie Storj finde ich auch interessant, da diese Lösungen praxisnah sind. Weitere Coins möchte ich nicht nennen, da gibt es viel zu viele gehypte im Markt! Da ist immer die Gefahr, dass der Entwickler aufgibt und man sein Kapital verliert. Warren Buffet hat mal gesagt: "die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent".

Marc: "Wann bist Du denn in die Crypto-Welt gekommen? War das noch vor dem Bitcoin-Hype?"
Riker: "Ich bin erst in die Crypto-Welt gekommen, als der Bitcoin schon bei 1000 Dollar stand. Ich hatte schon vorher von Bitcoin gehört und hatte im Hinterkopf, dass ich es mir anschauen müsste, wenn ich mal Zeit hätte. Mein Vater hat mich dann darauf angesprochen: "Lior, dieses Bitcoin-Dingens ist jetzt 1000 Dollar wert! Warum hast du keine?". Es ist also wirklich besser, keine Investment-Tipps von mir anzunehmen! Und man sollte auch nicht sein letztes Geld in Nxt stecken! Ich bin dann auf Nxt gekommen, weil es mir gefiel, dass es in Java programmiert war. Der Code von BCNext war zwar schlampig, aber genial! Und das Beste, das BCNext getan hat, war zu verschwinden und seine Arbeit einem so fähigen Entwickler wie Jean-Luc zu hinterlassen. Der hat aus dem schlampigen Code ein richtiges System gemacht, das wirklich funktioniert."
Marc: "Warum findest du Nxt denn so genial?"
Riker: "Die Leistung von BCNext kann man gar nicht hoch genug einschätzen, denn er musste bei der Entwicklung von Nxt ganz andere Anforderungen erfüllen, als ein Java-Entwickler, der Geschäftsanwendungen erstellt. Die Vertrauensstellung der Nxt-Knoten untereinander fehlerfrei und unhackbar zu implementieren ist sehr delikat gewesen. Besonders weil es sich nicht - wie bei Java-Anwendungen sonst üblich - um ein geschlossenes System, sondern um Open Source handelt!"

Marc: "Riker, was denkst du ist die Killer-App für Nxt? So wie es die illegale Silk-Road-Börse für Bitcoin war."
Riker: "Da kann ich keine Voraussagen treffen, dazu ist die Entwicklung zu rasant."
Marc: "Aber könnten Schwarzmarkt-Geschäfte nicht zur Killer-App für Nxt werden?"
Riker: "Nein, das eher nicht. Dadurch, dass alle Transaktionen für immer auf der Blockchain gespeichert werden, kann eine Verfolgung von Straftaten auch noch nach Jahren erfolgen. Es lohnt sich also nicht, ein Verbrecher auf der Blockchain zu werden! Natürlich werden Verbrecher von den Möglichkeiten der Crypto-Währungen angezogen, das ist aktuell so. Es wird sich aber bald herum sprechen, dass es keine gute Idee ist, seine Identität auf einer Blockchain zu hinterlassen, wenn man Böses im Schilde führt.

Marc: "Wie wichtig sind Funktionen zur Anonymisierung und Privatsphäre für dich?"
Riker: "Natürlich ist das wichtig, aber ob es wichtiger als andere Funktionen ist, kann ich nicht sagen. Ich habe einmal einen Vortrag von Professor Shamir besucht - der "S" in "RSA" - wobei es auch um Privatsphäre ging. Shamir sagte, dass sich aus seiner über 30-jährigen Berufserfahrung in diesem Bereich, Entwicklungen in Anonymisierungsfunktionen nicht auszahlten, keiner wolle darin investieren.

Marc: "Was hat Shuffling für eine Funktion in Nxt? Ist es, um die Anonymität zu erhöhen oder um den Geldfluss zu verschleiern?"
Riker: "Shuffling ist eine coole Funktion, die Nxt als erste Crypto-Währung implementiert hat. Zur Geldwäsche ist sie aber nicht geeignet, dazu reicht der Grad der Anonymisierung nicht aus:"
Marc: "Die Shuffling-Funktion ist aber nicht benutzerfreundlich: man muss immer den Klienten laufen haben und man muss genügend Konteninhaber finden, die ebenfalls ein Shuffling durchführen wollen!"
Riker: "Dafür haben wir ja den "Shuffling-Sonntag" ins Leben gerufen. Es ist eine so coole Technologie, dass man NXT mixen kann, ohne einer zentralen Stelle vertrauen zu müssen - also vollkommen dezentral!"
Marc: "Ich habe einmal einen Bitcoin-Mixer benutzt, der war viel benutzerfreundlicher. Da brauchte man keine Treffen mit Leuten organisieren, die die exakt gleiche Menge an Coins mixen wollen."
Riker: "Ja, aber das ist dann ein zentralisierter Dienst und man weiß nie, ob man seine Coins wieder bekommt! Ich sehe aber ein, dass es noch Verbesserungspotential beim Shuffling gibt, wir haben aber zur Zeit wichtigeres zu tun. Wenn Shuffling eine größere Verbreitung bekommt, werden wir uns das aber noch mal ansehen und etwas Zeit investieren. Wir arbeiten ja kontinuierlich an Verbesserungen, das hat man z.B. am Voting-Modell gesehen: erst musste man zur Freigabe der Transaktion die eingestellte Blockhöhe abwarten. Beim nächsten Hardfork haben wir es dann soweit verbessert, dass die Freigabe bereits erfolgt, wenn die erforderliche Anzahl Stimmen gewählt haben. Wir suchen immer nach "niedrig hängenden Früchten", d.h. kleine Änderungen, die eine gute Verbesserung bringen! So wie der Knopf zum Konto wechseln im Klienten, den ich programmiert habe."

Marc: "Bitcoin hat ja aktuell ein Skalierungsproblem und die Transaktionen werden immer teurer! Bitcoin scheint sich für eine Währung für die großen Werte zu entwickeln, siehst du da eine Chance für Nxt?"
Riker: "Darin sehe ich keine Chance für Nxt, dafür gibt es 600 Bitcoin-Clones, mit denen man dieses Problem lösen kann. Die Nische, die Nxt besetzen sollte, sind fortgeschrittene Anwendungen und nicht, ein billigerer Bitcoin zu sein!"

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